Was ist ein Trading-System? von Van K. Tharp

Was ist ein Trading-System? von Van K. Tharp

Was die meisten Trader unter dem Begriff Trading-System verstehen, würde ich eher als Trading-Strategie bezeichnen. Daher möchte ich euch zeigen, aus welchen Komponenten meiner Meinung nach ein Trading-System bestehen muss.

  1. Ein Marktfilter
  2. Die Konditionen des Setups
  3. Ein Einstiegssignal
  4. Einen „worst-case“ Stop Loss
  5. Eine Möglichkeit zum Wiedereinstieg – falls es sich anbietet
  6. Profitable Exit-Strategien
  7. Einen Algorithmus, um die Positionsgröße zu bestimmen
  8. Verschiedene Systeme für unterschiedliche Marktbedingungen.

 

Der Einsatz eines Filters erlaubt es euch, den Markt unter ganz speziellen Kriterien zu betrachten, um herauszufinden, ob er für eure Trading-System überhaupt geeignet ist. Es gibt zum Beispiel „Trending Markets“ (Stochastik-Signale zeigen einen ausgeprägten Preistrend an) auf denen es ausgesprochen ruhig und gesittet zugeht, wie auch sehr volatile „Trending Markets“. Zudem können die Märkte entweder bullish oder bearish sein. Euer System kann möglicherweise nur in einem volatilen Umfeld hervorragend funktionieren – in einem Bullenmarkt jedoch nicht. Deshalb ist ein Filter so wichtig, um herauszufinden, ob ihr euer System auf diesem speziellen Markt überhaupt einsetzen solltet.

Die Setup-Konditionen hängen von euren Screening-Kriterien ab. Wenn ihr beispielsweise mit Aktien handeln, dann gibt es über 7.000 Titel, in die ihr zu jeder Tageszeit investieren könnt. Um diese große Auswahl einzuschränken entwickeln die meisten Leute spezielle Screening-Kriterien, damit unter dem Strich 50 oder weniger Aktien übrig bleiben, die dann intensiver beobachtet werden können. Ein Screening-Kriterium kann beispielsweise das Kurs-Gewinn-Verhältnis sein oder fundamentale Betrachtungspunkte wie Auftragseingänge oder Absatzzahlen.

Ein Einstiegssignal sollte so aussagekräftig sein, dass es eure Entscheidung in eine Position einzusteigen stark untermauert – egal ob ihr long oder short gehen wollen. Zudem sollte das Signal idealerweise in die Richtung zeigen, in die der Markt eurer Meinung nach tendieren wird.

Das nächste Element eines Trading-Systems sind die „worst-case“ Stopps. Diese Art von Stopps sind absolut essenziell. Sie definieren das absolute Maximum dessen, was ihr bereit seid zu verlieren – falls der Markt einmal sehr schnell gegen euch läuft (beispielsweise ein Kursverlust von 25% gegenüber dem Einstiegskurs). Ohne diese Art von Stopps zu agieren, ist wie beim Autofahren die roten Ampeln zu ignorieren und einfach weiterzufahren. Das kann einige Male gut gehen – doch irgendwann baut ihr einen Unfall.

Die fünfte Komponente ist eure Re-Entry-Strategie. Wenn ihr mit einer Position ausgestoppt werden, kommt es häufig vor, dass die Aktie wieder genau in die Richtung dreht auf die ihr ursprünglich gewettet hattet. Wenn das passiert, dann ergibt sich möglicherweise die perfekte Chance für einen sehr profitablen Trade – obwohl das Szenario nicht mit eurem Original-Setup übereinstimmt. Daher braucht ihr bestimmte Kriterien, die einen Wiedereinstieg genau definieren und die Bedingungen festlegen unter denen ihr bereit seir, wieder in die Position einzusteigen. Seit daher gut vorbereitet für diese oft unerwarteten auftauchenden Profitchancen.

Ein weiteres wichtiges Element sind eure Exit-Strategien. Solche Strategien sollten sehr simpel gehalten sein. Rund um Trailing-Stopps lassen sich diverse Strategien für alle möglichen Szenarien konstruieren. Wenn es zum Beispiel in einem sehr volatilen Umfeld zu einer starken Gegenbewegung kommt (mindestens das 1,5-fache der durchschnittlich üblichen Tages-Volatilität) – dann ist dies eine hervorragende Gelegenheit, um aus eurer Position auszusteigen. Oder das Ausstiegssignal wird dadurch generiert, dass ein wichtiger gleitender Durchschnitt (z.B. die 50-Tageline) durchbrochen wird etc. Exits sind eine der kritischeren Bestandteile eures Trading-Systems, denn sie sind einer der wenigen Faktoren, über die ihr als Trader die volle Kontrolle haben. Und eure Exits bestimmen darüber, ob ihr Geld am Markt machen – oder den Trade mit einem Verlust abschließen. Also – widmet euren Exit-Strategien höchste Aufmerksamkeit!

Jetzt zur nächsten Komponente – dem Algorithmus zur Bestimmung der Positionsgröße. Die Positionsgröße ist der Teil eures Systems, der kontrolliert wie viel ihr tradet. Es bestimmt die Anzahl der Aktien, die ihr kaufen sollten. Aus dem Money-Management stammt die Faustregel, in der Regel nicht mehr als 1% ihres Portfolios zu riskieren. Das bedeutet für diejenigen, deren Portfolio 25.000 Dollar schwer ist, nicht mehr als 250 Dollar an Verlust zu riskieren. Nehmen wir an, ihr wollt eine Aktie bei 10 Dollar kaufen und platziert einen Trailing-Stopp auf Basis von 25%. Das bedeutet, dass ihr, falls der Kurs um 25% auf 7,50 Dollar fällt, eure Position glattstellen müsst.

Und zum Schluss möchte ich euch noch auf die Notwendigkeit hinweisen, verschiedene Systeme für unterschiedliche Marktbedingungen zu nutzen. Als Minimalanforderung gilt dabei ein System für „Trending Markets“ und ein anders Trading-System für „Flat Markets“.